12. Juni 2006 Foz do Iguazú - Bonito Von den Iguazú-Faellen am suedlichsten Zipfel Brasiliens fahren wir heute 850 Kilometer entlang der paraguayanischen Grenze nordwestlich ins Zentrum der brasilianischen Provinz Mato Grosso. Wir durchqueren eines der groessten Farmgebiete der Erde. Korn, Weizen, Maté und Zuckerrohr (fuer den Cachaça-Schnapps) werden hier angebaut, aber auch Rinderzucht im argentinischen Stil betrieben. Tagesziel ist Bonito, die selbsternannte Oekotourismus-Metropole.Bonito entpuppt sich als verschlafenes kleines Staedtchen, nur die Hauptstrasse ist geteert, die meisten der vielen kleinen Adventure-Agenturen und Hostals scheinen geschlossen zu sein. Es ist Nebensaison. Doch die Umgebung von Bonito sei reich an versteckten kleinen Naturwundern: glasklare Fluesse zum Schnorcheln mit farbenpraechtigen Fischen, unterirdische Tropfsteinhoehlen, tiefblaue Lagunen, die zum Baden einladen. 13. Juni 2006 Bonito Ein strahlend schoener Morgen laedt mich ein, noch vor dem Fruehstueck in den Swimming Pool des Youth Hostals zu springen. Da sitze ich also im Herzen Brasiliens auf einem Liegestuhl - waehrend am anderen Ende der Weltkugel eine ganze helvetische Nation nervoes dem ersten Fussball-Weltmeisterschaftsspiel der Koebi-Kuhn-Jungs entgegenfiebert. Distanzen spielen keine Rolle, auch hier werde ich vom Virus infisziert: mit dem Schweizer Nationalshirt bewaffnet miete ich ein Velo und radle ins Zentrum von Bonito, um eine Bar zu suchen, die das Spiel live uebertraegt. Aufgrund der Zeitverschiebung wird hier in Brasilien bereits um zwoelf Uhr mittags angepfiffen. Ideal also, um von der bruetenden Mittagshitze zu fliehen. Die Schweiz tritt heute in ihrem ersten Spiel gegen den Gruppenfavoriten Frankreich an. Alles andere als eine Niederlage waere wohl eine grosse Ueberraschung. Am Hauptplatz von Bonito finde ich ein Restaurant mit Grossleinwand auf der Terrasse. Ideal also. Brasilianer scheinen sich fuer das Spiel nicht zu interessieren. Das Restaurant ist praktisch leer. Eine Familie mit kreischenden Kindern konzentriert sich auf die Plastikspielburg, und das junge Paerchen am Nebentisch spricht franzoesisch. Ha, denen werden wir's heute zeigen, denke ich, und praesentiere stolz mein Schweizer Shirt in Richtung des Nebentisches ... kommunikative Konfrontation scheint nun unausweichlich zu sein. Er, der maennliche Teil des Paerchens, entlarvt mich sogleich unschwer als Schweizer, stirnrunzelnd. Sie jedoch stellt sich als Sonja aus Luzern vor. Juhuu! Eidgenossen in Ueberzahl also. Zwei gegen einen! Der Rest ist Geschichte: Die Schweiz ringt dem spaeteren WM-Finalisten Frankreich ein Unentschieden ab, und setzt damit den Grundstein fuer den Gruppensieg. Was fuer ein Tag! Und der Tag hat eben erst begonnen. Am Nachmittag spielt Brasilien seine erste Partie, gegen Kroatien. Kurz vor dem Anpfiff leeren sich die Strassen, die Laeden schliessen, Busfahrplaene werden unterbrochen und Lehrer proklamieren schulfrei. Das Brasilianer fussballbegeistert sind, ist kein Geheimnis, doch die Euphorie waehrend einer Fussballweltmeisterschaft kennt keine Grenzen. Zusammen mit den Englaendern, und zusammen mit der halben Stadtbevoelkerung, schaue ich das Spiel auf der selben Leinwand auf der sich mir am Morgen schon der Schweizer Triumpf praesentierte.
Erwartungsgemaess entscheiden die Suedamerikaner das Spiel fuer sich. Was jeder einzelne in Bonito schliesslich auch erwartete, denn Brasilien werde Weltmeister, verdient, aus logischen Gruenden gaebe es keine Alternative. Zelebriert wird der Sieg, wie dies nur Brasilianer koennen: Mit einem riesigen Moped-, Toeff-, Auto- und Buscorso auf der geteerten Strasse in Bonito. Hupend, mit droehnenden Motoren und riesigen Verstaerkeranlagen auf den Daechern der Autos. Ein Gefluegeltransporter und das lokale Krankenauto schliessen sich in aller Selbstverstaendlichkeit der Parade an. Wir fragen uns, wo ploetzich die vielen Menschen hergekommen sind.
Der Umzug endet in einer ausgelassenen Party auf dem Hauptplatz, die die ganze Nacht andauert. Wir stossen mit Caipirinhas an, tanzen mit Einheimischen Samba und Reaggeton, und koennen uns nicht vorstellen, was hier wohl abgeht, wenn Brasilien in vier Wochen tatsaechlich Weltmeister wuerde.
14. Juni 2006
Bonito
"Bonito, todo me parece bonito" (Schoen, alles kommt mir so schoen vor) singt der Spanier Jarabe de Palo in seinem Song, der uns seit Tagen unausweichlich nachgeistert. Und tatsaechlich laesst's sich in Bonito gut leben. Den zweiten vollen Tag hier nutze ich vor allem fuer etwas: Nichts tun!
Die Liegestuehle am Swimming Pool bieten sich als Staette der Sonnenanbetung geradezu unumgaenglich an. Ich erliege der Versuchung, gebe mich geschlagen, werfe das Handtuch, beziehungsweise breite es liebevoll auf eine der Liegen aus und lasse die warmen Strahlen der suedbrasilianischen Sonne meinen Koerper braeunen. Wie immer in solchen Situationen stelle ich mir, wie Freunde und Kollegen zuhause jetzt, in eben diesem Moment, sich im Licht einer duesteren Neonroehre vom Chef ueber die anstehenden Projekte, Arbeiten, Termine und Reorganisationen informieren lassen. Mit dieser Vorstellung im Kopf laesst sich das Reiseleben locker doppelt geniessen.
Nachmittags mieten Antonia, Richard und ich Fahrraeder um die Gassen, Plaetze und Laeden von Bonito zu erkunden. Vom Hunger gepeinigt (sonnenbaden ist anstrengend) suchen wir uns ein angemessenes Restaurant. Die Konzepte in brasilianischen Restaurants sind vielfaeltig und nicht immer auf Anhieb durchschaubar: Oft werden bessere Speisen zu relativ hohen Preisen angeboten, doch gleich mit zwei Tellern, also fuer zwei Personen serviert. Besonders beliebt sind die Kilo-Buffets, wo nach Gewicht bezahlt wird. Wir entscheiden uns schliesslich fuer ein kleines Lokal mit Executive Business Lunch. Ist auch in kurzen Hosen und ohne Kravatte erhaeltlich ...
15. Juni 2006
Pantanal
Uli gab vor bald neun Jahren seine Arbeit als Buehnentechniker an der Oper in Stuttgart auf, die Liebe zu einer brasilianischen Ballettaenzerin zog ihn nach Campo Grande in der Provinz Mato Grosso. Zwar lebt Uli heute nicht mehr mit seiner Frau zusammen, doch in Brasilien fuehlt er sich immer noch wohl, hier fand er sein neues Zuhause und hier werde er auch bleiben - Das einzige, was er in Suedamerika vermisse, sei ab und zu ein richtiges Stueck Kaese. Sein Einkommen verdient Uli heute als Touristenfuehrer. Vorwiegend Brasilianer und Englaender besuchen die Region von Bonito, manchmal auch Amerikaner, doch als Uli merkt, dass er mit mir deutsch sprechen kann, erklaert er, dies sei nun doch eher eine Ausnahme.
Uli fuehrt uns die kommenden zwei Tage ins Pantanal, mit 210'000 Quadradkilometern (fuenfeinhalb mal so gross wie die Schweiz) die groesste Sumpflandschaft der Welt. Hier leben 650 Vogel-, 80 Saeugetier-, 260 Fisch- und 50 Reptilarten, die meisten davon endemisch, also nur hier vorkommend. Waehrend der Regensaison steigt der Wasserspiegel im gesamten Gebiet um drei bis acht Meter, doch im Moment ist Trockenzeit, ein beachtlicher Teil der Gesamtflaeche liegt frei.
Wir uebernachten in der Fazenda San Francisco, einer riesigen Farm mit Rinderzucht und Oekotourismusangeboten http://www.fazendasanfrancisco.tur.br/english/index2.php?id=8. Nach einem mehr als saettigendem Mittagsmahl am wirklich kolosalen Buffet stuerzen wir uns bereits ins erste Abenteuer: Bootssafari auf einem nahegelegenen Seitenarm des Rio Miranda, inklusive einstuendigem Piranhafischen.
Am einfachsten faengt man diese beruechtigten Raubfische (teils mit mehreren Zahnreihen bewaffnet), indem man sich mit einem scharfen Messer ein kleines Schnittchen in den Zeigefinger macht, so dass Blut tropft. Nun den Finger ins dunkle schlammige Wasser halten, und sobald (dauert hoechstens fuenf Sekunden) der erste Piranha anbeisst, den Finger mit dem festgebissenen Fisch herausziehen.
Wir entscheiden uns fuer eine konservativere, weniger schmerzvolle Methode: kleine Rindfleischstuecke an Angelhaken haengen, die mit improvisierten Angelruten (Nylonfaeden und Bambusstangen) im Flusswasser gebadet werden. Innert weniger Minuten ziehen wir die ersten Fische aus dem Wasser, die dann spaeter zur Herstellung von Piranhasuppe (das grätige Fleisch eignet sich kaum fuer andere Zubereitungsarten) oder zur Kaimanfuetterung verwendet werden.
Die Nachtsafari per Jeep fuehrt uns waehrend einer Stunde durch Felder und entlang von Entwaesserungskanaelen. Nebst Hunderten von rot leuchtenden Kaiman-Augenpaaren entdecken wir Sumpfhirsche, Nachtvoegel, Capybaras (mit 70kg die groessten Nagetiere der Welt) und einen grossen schwarzweissen Ameisenbaer.
16. Juni 2006
Pantanal
In Argentinien und Bolivien verbrachte ich je einen halben Tag hoch zu Ross. Zeit also, auch den Sanftmut und Toleranz brasilianischer Pferde gegenueber unerfahrenen Touristen zu testen. Gleich vorweg: Wir sind beide wohlauf, den dreistuendigen Ausritt im Pantanal haben sowohl das Pferd als auch ich erstaunlicherweise ohne groessere Zwischenfaelle ueberlebt.
Saeugetiere erhalten wir heute Morgen keine zu Gesicht, die scheinen vom Getrampel der Hufe vorzeitig gefluechtet zu sein, doch eine naturbelassene Landschaft mit exotischen Baeumen und vielen bunten Voegeln bieten eine hervorragende Kulisse fuer den Ausritt. Uli und die anderen Begleiter servieren uns waehrend einer Pause brasilianischen Maté: gruener als die argentinische Variante, getrunken aus einem geschwungenen Kuhhorn, und v.a. mit eiskaltem Wasser zubereitet. Allen, inklusive Ian, dem sonst doch sehr vorsichtigen Australier, schmeckt die brasilianische Erfrischung vorzueglich.
Die Kanufahrt am Nachmittag fuehrt uns nochmals auf den Seitenarm des Rio Mirandas. Zu zweit (Richard und ich) paddeln wir durch das dunkle Wasser, entlang von Mangroven-Waeldern und Seerosenfeldern, beobachten kreischende Affenfamilien hoch oben in den Baumkronen und fragen uns immer wieder, wann und wo die beiden Reptilienaugenpaare wieder auftauchen, die doch noch eben direkt vor uns aus dem Wasser blickten.
Die freundlichen Gastgeber der Fazenda San Franciso laden uns am Abend zu einem Barbecue auf dem benachbarten Huegel ein. Wiederum werden wir kulinarisch mit einem riesigen Buffet verwoehnt. Die gegrillten Lammrippchen und Rindssteaks schmecken vorzueglich. Auch der Graufuchs, der immer wieder bis auf einen Meter an uns heranschleicht, wuerde wohl gerne von den gastronomischen Koestlichkeiten profitieren.
17. Juni 2006
Pantanal
Bevor wir dem Pantanal den Ruecken zuwenden steht nochmals eine letzte Safari auf dem Programm: diesmal per Jeep, vorwiegend durch die landwirtschaftlich genutzte Ebene am Rande des Sumpfgebietes. Wieder entdecken wir Capybaras, die sich nur wenige Meter entfernt von den Kaimanen an den Ufern von Entwaesserungkanaelen sonnen. Unzaehlige Vogelschwaerme picken frisch gesaetes Korn aus dem lehmigen Boden und bedienen sich am Buffet der jungen Maiskolben. Gegen 40% der Ernte verlieren die Farmer der Gegend jaehrlich, doch man lebe hier mit der Natur, nicht gegen die Natur. Den Wert der biologischen Vielfalt hat man hier laengst erkannt - nicht zuletzt aus touristischen Gruenden.
Nach einer letzten Mittags-Schlacht am Gaestebuffet, das ebenfalls wohl aus touristischen Gründen von biologischer Vielfalt zeugt, verabschieden wir uns vom wirklich zuvorkommenden Personal der Fazenda San Francisco. Ziel des Nachmittags ist es, moeglichst weit in Richtung Kueste voranzukommen, um den Weg zu unserem naechsten Etappenziel, Brotas, fuer morgen zu minimieren.
Nach etwa zwei Stunden Fahrt durch endloses Agrarland hupt ein weisser Minibus hinter uns, ueberholt und haelt am Strassenrand. Die Besitzerin der Fazenda San Franciso steigt wild mit den Armen fuchtelnd aus. Hinter ihr die Receptionistin. Vergassen wir zu zahlen? Nein, ist erledigt. Hat jemand Gepaeck liegengelassen? Auch nicht. Weshalb folgen uns die beiden denn zwei Stunden? Wir oeffnen die Trucktuere, lassen die beiden rein, und sie lueften sogleich das Raetsel: "Wir hatten es verpasst, Euch auf der Farm persoenlich zu verabschieden und eine gute Weiterfahrt zu wuenschen". Wieder einmal mehr ueberwaeltigt uns die suedamerikanische Gastfreundschaft. Welcher Schweizer Hotelier wuerde einem Gast quer durch das halbe Land nachreisen, nur um sich zu verabschieden?
18. Juni 2006
unterwegs nach Brotas
Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen vom entfernten Horizont den Sand hinter der Tankstelle irgendwo inmitten der Provinz Mato Grosso erwaermt, packen wir unsere Zelte und fahren weiter. Zwar konnten wir gestern bereits einen beachtlichen Teil der Wegstrecke vom Pantanal nach Brotas hinter uns legen, aber noch immer stehen etwa 600 Kilometer vor uns.
Um zwei Uhr nachmittags unterbrechen wir die Fahrt, um das Spiel Brasilien-Australien in einer laendlichen Tankstellenspelunke zusammen mit etwa dreissig Truckerfahrern zu schauen. Die australische Fahne von Anna und Ian wird mit haemischem Schmunzeln im Restaurant begruesst, nach den ersten torlosen sechzig Minuten jedoch immer skeptischer beschielt. Schliesslich retten Ronaldo und Fred mit zwei erloesenden Goals die Ehre der Brasilianer - und damit wohl auch das Fortbestehen unserer Fahne.
19. Juni 2006
Brotas
Das kleine Staedtchen Brotas, wenige hundert Kilometer von Sao Paulo entfernt, nennt sich "Capital of Adventure Sports". Doch nebst Canyoning, Mountain Bike, River Rafting und Wandern wird nichts anderes angeboten. In internationalen Reisefuehrern sucht man vergebens nach Brotas. Vor allem brasilianische Touristen scheinen den Ort zu frequentieren - auch in Restaurants und Agenturen spricht man weder englisch noch spanisch.
Organisierte Adrenalinkicks erlebte ich in den vergangenen Monaten bereits genuegend, also verzichte ich auf einen River-Rafting-Ausflug und ziehe es vor, vor dem Bildschirm eines kleinen Restaurants in einen Emotionstaumel zu stuerzen: Schweiz-Togo, das zweite WM-Spiel der Schweizer Nationalmannschaft. Mit dem 2:0-Sieg schiessen sich die Koebi-Kuhn-Jungs auf den ersten Platz in der Gruppe. Besser als Bungee-Jumping!
Am Nachmittag lasse ich mich zusammen mit Antonia und Rachael zu einer Farm fahren, von wo aus wir wandernd mit einem Guide zwei etwa 90 Meter hohe Wasserfaelle besuchen. Unterwegs pfluecken wir frische Mandarinen von Baeumen und spazieren durch eine Kaffeeplantage.
20. Juni 2006
Brotas - Parati
Sao Paulo, die drittgroesste Stadt der Welt, umfahren wir weitraeumig. Die Zeit fuer einen Besuch fehlt uns, und die Kriminalitaet der Metropole ist beruechtigt. Uns ziehts heute vielmehr in das bunte Hafenstaedtchen Parati mit seinen Pflastersteingaesschen und kolonialen Steinhaeusern.
Parati erreichen wir spaet abends. Wir stellen unsere Zelte auf dem leeren Campingplatz unweit des Zentrums auf und zaubern uns ein letztes Abendessen aus der Truckkueche: Rindssteaks mit Salat.
21. Juni 2006
Parati
Bereits ueber fuenf Monate klettere ich nun auf Suedamerikas hoechsten Bergen, durchforsche den Regenwald, die Wuesten, Ruinen und Staedte. Doch einen ganzen Tag am Strand ausspannen, diese exquisite Erfahrung fehlt mir noch. Eine Beach-Pause in Parati mit seinen ueber dreihundert Sandstraenden und den unzaehligen Inseln im klaren Wasser bietet sich unwiderstehlich an. Also pilgere ich zusammen mit Richard an einen der nahen Straende, breite mein Badetuch aus und praesentiere mich der brasilianischen Tropensonne.
Grundsaetzlich gehoert stundenlanges Sonnenbaden zu eher unspektakulaeren Aktivitaeten, nicht aber, wenn aus der nahen Beachbar regelmaessig frische Caipirinhas serviert werden und die Moeglichkeit fuer Fussballpausen besteht: Holland-Argentinien sehen wir uns im Liegestuhl an, direkt am Strand, unter dem Sonnenschirm bei der Bar.
22. Juni 2006
Parati
Erfrischt vom kuehlen Bad im glasklaren Wasser der einsamen Bucht strecke ich Arme und Beine, recke mich auf der Matte, blinzle in die waermenden Sonnenstrahlen des brasilianischen Morgens und geniesse das sanfte Wiegen des Bootes. Aus den Lautsprechern erzaehlt Chico Buarque (http://chicobuarque.uol.com.br/) von der Anziehungskraft der tropischen Unbeschwertheit. Ewig koennte ich hier so liegen. Zusammen mit dem Meer, der Sonne, dem Wind.
Doch bald schon ankern wir an einem neuen Ort. Acht Meter unter uns spiegeln sich die Wellen am weissen Grund. Feinster Sand und einige grosse rote Seesterne. Hunderte von schwarz gestreiften Fischen schwimmen um unser Schiff. Wir setzen Taucherbrille und Schnorchel auf - und tauchen durch die Fischschwaerme.
Beim dritten und letzten Halt des Bootsausflugs schwimmen wir im untiefen Gewaesser einer versteckten Bucht. Meeresschildkroeten beobachten uns aus sicherer Entfernung.
23. Juni 2006
Parati - Rio de Janeiro
Nach zwei Monaten gemeinsamer Reise quer durch den suedamerikanischen Kontinent - von Ecuador bis nach Brasilien, ueber unendlich weite Hochebenen und durch Grossstadtdschungel, entlang weisser Wuesten und gruenem Farmland - steht unsere letzte Fahrt in Mamasita, unserem Truck, auf dem Programm. Gegen Mittag moechten wir Rio de Janeiro erreichen, unser Endziel.
Noch einmal eine letzte iPod-Playliste (mit Songs wie "I Go To Rio", "Copacabana" oder "The Girl From Ipanema"), die letzten "Bush-Baños" WC-Stopps und die letzten verzweifelten Versuche, mit suedamerikanischen Karten, die keinem Abbild der Wirklichkeit entsprechen, den direktesten Weg zu finden.
Und dann, nach nur vier Stunden Fahrt: dichter besiedeltes Gebiet, die ersten Hochhaeuser, Grossstadtverkehr, und von Ferne ein spitziger Berg, dessen gleichmaessige Form ich von so vielen Kalendern und Postkarten kenne. Paõ de Azucar, Sugar Loaf Mountain, Zuckerhut ...
... ich bin in Rio de Janeiro!